Ratgeber · Sicherheit

WordPress gehackt: Was jetzt zu tun ist

Weiterleitungen auf fremde Seiten, ein unbekanntes Admin-Konto, eine Warnung von Google: Ein Hack fühlt sich wie ein Notfall an, lässt sich aber mit klaren Schritten in den Griff bekommen. Entscheidend ist die richtige Reihenfolge, und dass am Ende die Ursache geschlossen ist, nicht nur die Symptome.

Julian Bräucker Stand: ca. 10 Minuten Lesezeit
NotfallErste Schritte

Die ersten fünf Schritte

  1. 1Nichts löschen: erst eine Kopie von Dateien und Datenbank anlegen.
  2. 2Alle Passwörter ändern: Admins, Hosting, FTP und SSH, Datenbank.
  3. 3Unbekannte Admin-Konten notieren und ihnen die Rechte entziehen.
  4. 4Den Hoster informieren, er sieht die Zugriffsprotokolle.
  5. 5Prüfen, ob personenbezogene Daten betroffen sein könnten.

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01 · Die erste Stunde

Sichern, sperren, informieren

Ein Hack ist ärgerlich, aber selten eine Frage von Minuten. Wichtiger als Tempo ist die Reihenfolge.

  1. 01

    Zustand sichern

    Eine Kopie aller Dateien und der Datenbank, so wie sie jetzt sind. Nicht zum Zurückspielen, sondern zur Analyse: Wer sofort löscht oder neu installiert, vernichtet die Spuren zur Lücke.

  2. 02

    Zugangsdaten ändern

    Die Passwörter aller Administratoren, des Hosting-Kundenmenüs, der FTP- und SSH-Zugänge und der Datenbank. Neue Sicherheitsschlüssel in der wp-config.php melden alle Sitzungen ab.

  3. 03

    Unbekannte Konten sperren

    Administratoren, die niemand kennt, notieren und ihnen die Rechte entziehen. Gelöscht wird nach der Analyse.

  4. 04

    Den Hoster informieren

    Er sieht Zugriffsprotokolle, die Ihnen fehlen, und kann einschätzen, ob andere Websites im selben Paket betroffen sind.

  5. 05

    An den Datenschutz denken

    Könnten personenbezogene Daten betroffen sein, läuft ab jetzt die Frist von 72 Stunden für eine Meldung.

Leitet die Website auf fremde Seiten weiter, kann ein Wartungsmodus sinnvoll sein, bis sie bereinigt ist. So landen keine Besucher mehr auf Betrugsseiten.

02 · Anzeichen

Woran Sie einen Hack erkennen

Viele Angriffe sind darauf ausgelegt, lange unbemerkt zu bleiben. Selbst in großen Unternehmen bleiben Angreifer im Mittel 14 Tage unentdeckt (Mandiant, M-Trends 2026).

Weiterleitungen für bestimmte Besucher

Wer über Google auf dem Handy kommt, landet auf einer Glücksspiel- oder Betrugsseite. Am Büro-PC sieht alles normal aus.

Unbekannte Administratoren

Unter „Benutzer“ stehen Konten, die niemand angelegt hat, oft mit unauffälligen Namen.

Spamseiten in Google

Eine Suche nach site:ihre-domain.de zeigt Seiten, die Sie nie angelegt haben, oft mit fremdsprachiger Werbung.

Hinweise des Hosters

Mails über Spamversand, ungewöhnlich hohe Last oder einen Fund des Malware-Scanners.

Warnung in der Search Console

Meldungen unter „Sicherheitsprobleme“ oder der Hinweis „Diese Website wurde möglicherweise gehackt“ in den Suchergebnissen.

Fremde Dateien

Unbekannte Plugins, eine veränderte .htaccess oder PHP-Dateien im Upload-Ordner, wo nur Bilder liegen sollten.

03 · Ursache

Wie es dazu kommt

Fast immer über eine bekannte Lücke in einer Erweiterung. Die meistgesuchten Lücken werden im Mittel fünf Stunden nach ihrer Veröffentlichung erstmals angegriffen, von Programmen, die das Internet nach verwundbaren Versionen absuchen. Wie groß oder bekannt eine Website ist, spielt dabei keine Rolle.

Seltener sind gestohlene oder schwache Passwörter. Deshalb gehören neue Zugangsdaten immer dazu, auch wenn die Lücke woanders lag.

Median bis zum ersten Angriff
5 Stunden
11.334
neue Sicherheitslücken im WordPress-Umfeld 2025Patchstack, 2026
91 %
davon in PluginsPatchstack, 2026
46 %
ohne verfügbares Update bei VeröffentlichungPatchstack, 2026
39,1 %
der befallenen Installationen waren veraltetSucuri, Hacked Website Report 2023
Quellen: Patchstack, State of WordPress Security 2026; Sucuri, Hacked Website Report 2023
04 · Hoster

Was der Hoster tut, und was nicht

Hoster wie IONOS, Strato oder all-inkl reagieren meist erst, wenn sie selbst etwas bemerken: Spamversand aus dem Paket, auffällige Last oder einen Fund ihres Malware-Scanners.

Meist übernimmt der Hoster
  • Sperre des Pakets oder einzelner Ordner, damit kein Spam mehr verschickt wird
  • Einen Hinweis per Mail
  • Backups im Kundenmenü, je nach Tarif unterschiedlich weit zurück
Bleibt bei Ihnen
  • Die Bereinigung der Website selbst
  • Das Schließen der Lücke durch Updates
  • Die Prüfung der Meldepflicht nach DSGVO
05 · Wiederherstellen

Backup einspielen oder bereinigen?

Backup einspielen

Schnell, aber nur mit einem Backup von vor dem Einbruch.

Alles seit dem Backup geht verloren, und die alte Lücke ist wieder da. Ohne Update und neue Zugangsdaten folgt der nächste Einbruch. Viele Hacks bleiben wochenlang unbemerkt; dann sind auch die Backups schon befallen.

Bereinigen

Gründlich, und am Ende ist die Ursache geschlossen.

  • WordPress, Plugins und Theme frisch aus offiziellen Quellen einspielen
  • Datenbank auf fremde Administratoren und eingeschleusten Code prüfen, besonders Optionen und Beitragsinhalte
  • Upload-Ordner nach PHP-Dateien durchsuchen
  • Neue Sicherheitsschlüssel setzen, alle Zugangsdaten erneuern
  • Alles aktualisieren und die Ursache dokumentieren
„Wird ständig gehackt“

Bedeutet fast immer: Eine Hintertür ist geblieben. Angreifer legen gern mehrere versteckte Zugänge an. Laut Sucuri hatte fast jede zweite befallene Website eine solche Hintertür (Sucuri, Hacked Website Report 2023). Erst wenn die Ursache gefunden und geschlossen ist, ist der Fall erledigt.

06 · Danach

Google-Warnung und Meldepflicht

Die Warnung von Google entfernen

  1. 1Website vollständig bereinigen
  2. 2In der Search Console unter „Sicherheitsprobleme“ eine Überprüfung beantragen
  3. 3Kurz beschreiben, was gefunden und behoben wurde
  4. 4Spamseiten im Index mit Status 410 oder 404 ausliefern

Laut Google dauert die Überprüfung einige Tage bis wenige Wochen.

Personenbezogene Daten betroffen?

72 hMeldung an die zuständige Datenschutzaufsicht, gerechnet ab Kenntnis (Art. 33 DSGVO), es sei denn, ein Risiko für die Betroffenen ist unwahrscheinlich.

Betroffen sein können Anfragen aus dem Kontaktformular, Kundenkonten oder Newsletter-Adressen. Bei voraussichtlich hohem Risiko sind auch die Betroffenen selbst zu informieren (Art. 34 DSGVO). Dokumentieren Sie Ihre Prüfung in jedem Fall. Das ist keine Rechtsberatung; im Zweifel klären Sie es mit Ihrem Datenschutzbeauftragten.

07 · Meine Lösung

Vorbeugen: So löse ich das mit dem Doppelgänger

Die wirksamste Vorsorge ist unspektakulär: Updates schnell einspielen, aber getestet, wenige und gut gepflegte Plugins, eine Überwachung, die Veränderungen bemerkt, und ein Weg zurück zu einem sauberen Stand.

Genau das übernehme ich mit dem Doppelgänger für WordPress: einer exakten Kopie Ihrer Website auf einem eigenen Server in Deutschland. Null ist das Risiko auch damit nicht, aber aus Wochen werden Stunden.

Getestete Updates, schnell

Jedes Update läuft zuerst auf einer exakten Kopie Ihrer Website. Sicherheitsupdates gehen nach dem Test in der Regel innerhalb von 24 bis 48 Stunden live.

Dateiabgleich jede Nacht

Jede Datei wird mit dem versionierten Stand abgeglichen. Fremdes fällt in der ersten Nacht auf, nicht nach Wochen.

Contentvalidierung

Seiten und Texte werden nachts auf Manipulationen geprüft, auch Spamseiten und eingeschleuste Links.

Zurück in Minuten

Fällt etwas auf, wird der letzte saubere Stand neu ausgerollt. Die Analyse läuft auf der Kopie, nicht auf der Live-Website.

Weiterlesen: WordPress-Updates sicher einspielen, Staging-Umgebungen im Vergleich und, für Shops, Onlineshop gehackt.

Expertenstimme
Ein Update allein reicht nicht: Bei fast jeder zweiten WordPress-Lücke gibt es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch gar keinen Patch. Deshalb gehört nächtliche Überwachung dazu.
Julian Bräucker
Julian BräuckerEntwickler und Betreiber des Doppelgängers, Düsseldorf
46 %
der WordPress-Lücken haben bei Veröffentlichung keinen Patch
Häufige Fragen

Kurz beantwortet.

Woran erkenne ich, dass meine WordPress-Website gehackt wurde?

Häufige Anzeichen sind Weiterleitungen auf fremde Seiten, oft nur für Besucher vom Handy oder aus der Google-Suche, unbekannte Administratoren im Backend, Spamseiten unter Ihrer Domain bei einer Suche nach site:ihre-domain.de, Hinweise des Hosters auf Spamversand oder Schadsoftware und Meldungen unter Sicherheitsprobleme in der Google Search Console.

Kann ich einfach ein Backup einspielen?

Nur, wenn das Backup sicher vor dem Einbruch entstanden ist. Viele Hacks bleiben wochenlang unbemerkt, dann sind auch die Backups bereits befallen. Und selbst ein sauberes Backup bringt die alte Lücke zurück: Ohne Update und neue Zugangsdaten ist die Website schnell wieder befallen.

Warum wird meine Website immer wieder gehackt?

Fast immer, weil eine Hintertür übrig geblieben oder die eigentliche Lücke nicht geschlossen ist. Angreifer legen gern mehrere versteckte Zugänge an, etwa als unauffällige PHP-Datei im Upload-Ordner oder als zusätzliches Admin-Konto. Laut Sucuri hatte fast jede zweite befallene Website eine solche Hintertür.

Wie bekomme ich die Warnung von Google wieder weg?

Erst die Website vollständig bereinigen, dann in der Google Search Console unter Sicherheitsprobleme eine Überprüfung beantragen und kurz beschreiben, was Sie getan haben. Laut Google dauert die Überprüfung einige Tage bis wenige Wochen.

Muss ich einen Hack der Datenschutzbehörde melden?

Wenn personenbezogene Daten betroffen sein können, etwa Anfragen aus dem Kontaktformular, Kundenkonten oder Newsletter-Adressen, in der Regel ja: binnen 72 Stunden, nachdem Sie davon erfahren haben (Art. 33 DSGVO), es sei denn, ein Risiko für die Betroffenen ist unwahrscheinlich. Das ist keine Rechtsberatung; im Zweifel klären Sie es mit Ihrem Datenschutzbeauftragten.

Hilft mein Hoster bei einem Hack?

Hoster sperren bei Spamversand oder gefundener Schadsoftware oft das Paket oder einzelne Ordner und schicken einen Hinweis. Die Bereinigung der Website selbst übernehmen sie in der Regel nicht, dafür sind Sie als Betreiber verantwortlich. Hilfreich sind die Backups im Kundenmenü, deren Aufbewahrungsdauer vom Tarif abhängt.

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