Wann WooCommerce passt und wann Shopware 6 besser ist
Der offizielle Support für Shopware 5 endete am 31. Juli 2024. Der Nachfolger muss nicht Shopware 6 sein. Für viele kleinere Shops ist WooCommerce eine ernstzunehmende Alternative: das Shop-Plugin für WordPress, auf dem viele Firmenwebsites ohnehin laufen.
WooCommerce passt gut
- Überschaubares Sortiment: einige Dutzend bis einige Tausend Produkte, Varianten in üblichem Umfang
- Die Firmenwebsite läuft schon auf WordPress: ein System, ein Login, ein Design, eine Stelle für Updates
- Der Shop lebt von Inhalten wie Ratgebern, Blog, Rezepten oder Anleitungen
- Ein Verkaufskanal, eine oder wenige Sprachen
- Das Team pflegt Inhalte selbst und kennt WordPress schon
Shopware 6 ist meist besser
- Sehr große Kataloge mit vielen Zehntausend Artikeln oder häufigen, umfangreichen Importen
- Komplexes B2B: kundenspezifische Preise, Freigaben, mehrere Ansprechpartner pro Firmenkunde
- Aufwendige Variantenlogik, Konfiguratoren, Varianten mit eigenen Regeln
- Viele Verkaufskanäle: mehrere Shops, Länder, Sprachen oder Marken aus einer Verwaltung
Vieles davon lässt sich in WooCommerce mit Plugins nachrüsten, aber jedes Plugin muss gepflegt werden. Gehört Ihr Shop eher in die zweite Liste, lesen Sie den Ratgeber zur Migration von Shopware 5 auf 6.
Alle Wege nach dem Support-Ende von Shopware 5 fasse ich im Ratgeber Alternativen zu Shopware 5 zusammen.
Was übertragen wird und was neu entsteht
Übertragen lassen sich nur die Daten. Design, Einkaufswelten, Erweiterungen und Sonderfunktionen entstehen neu.
Lässt sich übertragen
- Produkte mit Beschreibungen, Preisen, Lagerbeständen
- Varianten (in WooCommerce „variable Produkte“ mit Attributen)
- Kategorien und Hersteller
- Kunden mit Adressen
- Bestellungen als Historie
- Produktbilder und Medien
Muss neu angelegt oder umgesetzt werden
- Theme und Templates
- Einkaufswelten, neu aufgebaut als WordPress-Seiten
- Plugins und individueller Code
- E-Mail- und Belegvorlagen
- Versandkostenregeln und Steuereinstellungen, neu geprüft
- Rechtstexte, Pflichtangaben und Checkout nach deutschem Recht
Wie vollständig die Daten ankommen, hängt vom Werkzeug ab. Eigenschaften und Filter aus Shopware 5 werden in WooCommerce zu Attributen, Freitextfelder landen in Zusatzfeldern oder fehlen ganz. Bewertungen, Gutscheine und Newsletter-Empfänger prüfen Sie am besten vorab. Daten, die Shopware-5-Plugins in eigenen Datenbanktabellen speichern, kennt kein Standardwerkzeug.
Drei Wege für die Datenübernahme
Ein offizielles Werkzeug wie den Migrationsassistenten von Shopware 6 gibt es für den Weg zu WooCommerce nicht.
Migrationsdienste
Anbieter wie Cart2Cart oder LitExtension unterstützen Shopware 5 als Quelle und WooCommerce als Ziel. Sie übertragen Produkte, Kategorien, Kunden und Bestellungen automatisiert. Cart2Cart bietet vorab eine kostenlose Demo-Migration an. Welche Zusatzoptionen bei Ihrem Shop funktionieren, zeigt erst eine solche Probe.
CSV-Import
WooCommerce bringt einen CSV-Import für Produkte mit, der auch Varianten, Kategorien und Bilder per URL versteht. Für Kunden und Bestellungen braucht es zusätzliche Plugins oder Skripte. Das ist günstig, aber fehleranfälliger und lohnt sich vor allem bei kleinen Katalogen.
Eigenes Skript
Bei Sonderfällen wie Plugin-Daten oder einer ungewöhnlichen Variantenstruktur liest ein Skript die Shopware-Datenbank aus und schreibt über die WooCommerce-Schnittstellen in den neuen Shop. Das kostet mehr Aufwand, lässt sich aber beliebig oft wiederholen.
Der Datentransfer muss wiederholbar sein.
Der neue Shop entsteht über Wochen, der alte verkauft weiter. Kurz vor der Umschaltung braucht es einen letzten Abgleich mit den neuesten Bestellungen und Kundenkonten. Klären Sie vorab, ob Ihr Werkzeug das kann.
Kundenpasswörter: rechtzeitig klären
Shops speichern Passwörter nicht im Klartext, sondern als Hash, eine Art Fingerabdruck. Shopware 5 und WordPress berechnen ihn nach eigenen Verfahren, und in Shopware 5 können je nach Alter der Konten mehrere Verfahren nebeneinander vorkommen. Ob WordPress die übertragenen Hashes prüfen kann, ist deshalb offen.
Manche Migrationsdienste können Passwörter mit übertragen, nach eigener Angabe aber nur, wenn der Quellshop die unveränderte Standard-Verschlüsselung nutzt. Verlassen Sie sich erst darauf, wenn Sie es getestet haben.
Passwort zurücksetzen lassen.
Zur Umschaltung bitten Sie alle Bestandskunden per E-Mail, ein neues Passwort zu vergeben. Das ist einfach und zuverlässig, aber ein Teil der Kundinnen und Kunden meldet sich danach nicht wieder an.
Kompatibler Login.
Ein angepasstes Plugin prüft beim ersten Login das alte Verfahren und speichert das Passwort danach im WordPress-Format. Ihre Kundinnen und Kunden merken davon nichts. Voraussetzung ist, dass die alten Hashes vollständig übertragen wurden.
Welcher Weg nötig ist, zeigt die Generalprobe: Melden Sie sich dort mit mehreren Testkonten an, darunter möglichst auch sehr alte.
Alte URLs erfassen und weiterleiten
WooCommerce bildet Produkt- und Kategorie-URLs nach eigenem Schema, das sich nur begrenzt an die bisherigen Shopware-Adressen anpassen lässt. Die meisten URLs ändern sich also. Damit Google und Ihre Besucher die Seiten trotzdem finden, braucht es eine vollständige Weiterleitungsliste:
- 01Alle alten URLs erfassen: aus der Shopware-Datenbank, der XML-Sitemap und der Google Search Console, inklusive Kategorien, Hersteller, Shopseiten, Blog und Bild-URLs
- 02Jeder alten URL die passende neue Adresse zuordnen. Produkte ohne Nachfolger leiten auf die nächstpassende Kategorie weiter, nicht pauschal auf die Startseite
- 03Die Liste als 301-Weiterleitungen einrichten, etwa mit dem Plugin Redirection, das Listen per CSV importiert, oder direkt im Webserver
- 04Vor der Umschaltung automatisiert prüfen, dass jede alte URL auf eine erreichbare Seite weiterleitet
Die 404-Meldungen im Blick behalten.
In den ersten Wochen zeigen sie, welche Adressen in der Liste noch fehlen. Redirection protokolliert sie, die Search Console meldet sie ebenfalls.
Rechtliche Pflichten: WooCommerce braucht Ergänzungen
Shopware kommt aus Deutschland und ist auf den hiesigen Markt ausgerichtet. WooCommerce stammt aus den USA und kennt deutsche Pflichtangaben nicht vollständig. Zwei Plugins sind verbreitet.
Germanized für WooCommerce
Kostenlos, mit ProVon vendidero, erhältlich im WordPress-Plugin-Verzeichnis. Ergänzt unter anderem Steuer- und Versandkostenhinweise, Grundpreise, Lieferzeiten, Checkboxen für AGB und Widerrufsbelehrung, den Bestellbutton nach der Button-Lösung und einen Widerrufsbutton.
German Market
KostenpflichtigVon MarketPress. Ergänzt unter anderem Hinweise zu Mehrwertsteuer, Versandkosten und Lieferzeit, Grundpreise, Checkout-Checkboxen und Mustertexte und kann Rechtstexte von Diensten wie der IT-Recht Kanzlei oder Protected Shops einbinden.
Was im neuen Shop stimmen muss
- Preise mit „inkl. MwSt.“ und Hinweis auf die Versandkosten
- Grundpreise, wo die Preisangabenverordnung sie verlangt
- Bestellbutton „zahlungspflichtig bestellen“ oder gleichwertig (§ 312j BGB)
- Widerrufsbelehrung, Muster-Widerrufsformular und seit dem 19. Juni 2026 der Widerrufsbutton nach § 356a BGB
- Impressum, AGB und Datenschutzerklärung, angepasst an neue Plugins und Zahlungsanbieter
Ein Plugin liefert Funktionen, keine Rechtsprüfung.
Die Rechtstexte sollten von einem Anwalt oder einem spezialisierten Dienst kommen. Die Umsetzung im Shop klicken Sie vor der Umschaltung einmal vollständig durch.
Zahlungsanbieter, ERP und Warenwirtschaft
Ein Shop, der gut aussieht, aber Bestellungen nicht sauber an die Warenwirtschaft übergibt, erzeugt nach dem Start schnell Handarbeit. Schnittstellen gehören deshalb früh in den Plan.
Zahlungsanbieter
Die gängigen Anbieter haben eigene WooCommerce-Plugins, etwa WooCommerce PayPal Payments, das WooCommerce Stripe Payment Gateway oder Mollie Payments for WooCommerce. Die Verträge bleiben meist bestehen. Jede Zahlungsart wird im Testmodus geprüft, inklusive Erstattung.
Warenwirtschaft und ERP
Fragen Sie früh, ob Ihr Anbieter eine WooCommerce-Anbindung hat.
Eigene Anbindung
Fehlt eine fertige Anbindung, lässt sich über die REST-Schnittstelle von WooCommerce eine eigene bauen. Das gehört dann in die Aufwandsschätzung, nicht in die letzte Woche.
Ein Shop auf WordPress will gepflegt werden
WooCommerce ist kostenlos, wartungsfrei ist es nicht. Ein Shop besteht aus WordPress, WooCommerce, dem Theme und meist einem oder zwei Dutzend Plugins für Rechtliches, Zahlung, Versand, SEO und Formulare. Jedes davon bekommt regelmäßig Updates, und die meisten Sicherheitslücken im WordPress-Umfeld stecken in Plugins.
Ein Update kann den Checkout lahmlegen.
Was auf einer Website nur ein Layout verschiebt, kostet im Shop direkt Umsatz.
Erst auf der Kopie testen, dann live einspielen.
Updates kommen zuerst auf eine Staging-Umgebung. Erst wenn Warenkorb, Checkout und Zahlung dort funktionieren, gehen sie auf den Live-Shop.
Wie diese Routine aussieht, beschreibe ich im Ratgeber WordPress-Updates sicher einspielen. Welche Arten von Testkopien es gibt, zeigt der Vergleich von Staging-Umgebungen.
Der Umzug in sieben Schritten
Die Daten wandern mehrfach, die Umschaltung passiert einmal und ist vorher geprobt.
- 1
Bestandsaufnahme
Welche Plugins sind installiert und werden genutzt, welche Anpassungen stecken im Theme, welche Systeme sind angebunden? Diese Liste entscheidet, ob WooCommerce passt, und ist die Grundlage für einen Festpreis.
- 2
Plugin-Auswahl und Theme
Für jede Funktion wird geklärt: Kann WooCommerce sie selbst, gibt es ein gepflegtes Plugin, oder wird sie entwickelt? Dabei gilt: so wenige Plugins wie möglich. Das Theme bildet das bisherige Design nach oder passt zur bestehenden WordPress-Website.
- 3
Erste Datenübernahme
Die Daten kommen früh in den neuen Shop, damit mit echten Produkten gearbeitet wird. Fehler bei Varianten, Attributen und Kategorien fallen so rechtzeitig auf.
- 4
Inhalte und Rechtliches
Einkaufswelten und Shopseiten entstehen als WordPress-Seiten, dazu kommen Rechtstexte, Pflichtangaben und E-Mail-Vorlagen. Für Texte und Freigaben braucht es hier Zeit aus Ihrem Team.
- 5
Generalprobe auf einer Kopie
Der ganze Umzug läuft auf einer Staging-Umgebung mit anonymisierten Kunden- und Bestelldaten. Getestet werden Bestellungen mit jeder Zahlungsart, Versand, Steuern, E-Mails, der Login mit Testkonten, die Warenwirtschaft und die Weiterleitungen. Danach wird zurückgesetzt und wiederholt, bis der Ablauf sitzt.
- 6
Umschaltplan
Ein schriftlicher Plan legt die Reihenfolge fest: Wartungsmodus im alten Shop, letzter Abgleich, Weiterleitungen aktivieren, Domain umstellen, Zahlungsarten live schalten, erste echte Testbestellung. Er sieht auch vor, wie sich die Umstellung zurücknehmen lässt, falls etwas Grundlegendes nicht funktioniert. Umgeschaltet wird in einer ruhigeren Verkaufsphase.
- 7
Umschaltung und danach
Die ersten Bestellungen, die 404-Meldungen und die Search Console werden eng beobachtet. Der alte Shopware-5-Shop bleibt eine Weile offline gesichert, falls eine alte Bestellung oder ein Beleg gebraucht wird.
Umzug und Betreuung aus einer Hand
Ich begleite den Umzug zu einem Festpreis, der unter üblichen Agenturpreisen liegt. Seit über sechs Jahren arbeite ich mit Shopware 5 und betreue WordPress-Websites im laufenden Betrieb. Ich kenne also beide Seiten des Umzugs.
Nach der Umschaltung bleibt die Testkopie bestehen. Mit dem Doppelgänger für WordPress spiele ich die Updates von WordPress, WooCommerce und den Plugins zuerst dort ein, prüfe den Checkout und bringe erst dann den geprüften Stand auf den Live-Shop.
Ehrliche Empfehlung
Passt Shopware 6 besser, sage ich Ihnen das.
Direkt mit dem Entwickler
Keine Projektleitung dazwischen.
Betreuung danach
Updates teste ich zuerst auf der Kopie.
Was dazugehört
- Kostenlose Bestandsaufnahme: Ich sehe mir Shop, Plugins, Anpassungen und Systeme an und empfehle WooCommerce oder Shopware 6. Danach erhalten Sie Festpreis und Zeitplan.
- Datenübernahme mit einem passenden Werkzeug, wiederholbar, mit letztem Abgleich vor der Umschaltung.
- Theme, Plugins und Rechtliches: Nachbau Ihres Designs, schlanke Plugin-Auswahl, deutsche Pflichtangaben im Checkout.
- Schnittstellen: Zahlungsanbieter, Versand und Warenwirtschaft.
- SEO: vollständige, automatisiert geprüfte Weiterleitungsliste.
- Generalprobe: Umzug und Umschaltung auf einer Kopie mit anonymisierten Daten.
Kurz beantwortet.
Ist WooCommerce eine gute Alternative zu Shopware 5?
Für viele kleinere und mittlere Shops ja, besonders wenn die Firmenwebsite schon auf WordPress läuft oder der Shop von Inhalten lebt. Bei sehr großen Sortimenten, komplexem B2B mit kundenspezifischen Preisen und Freigaben oder vielen Verkaufskanälen ist Shopware 6 meist die passendere Plattform.
Können meine Kunden sich nach dem Umzug mit ihrem alten Passwort anmelden?
Das ist nicht garantiert. Ob die gespeicherten Passwörter weiter funktionieren, hängt davon ab, mit welchem Verfahren Shopware 5 sie gespeichert hat und ob das Migrationswerkzeug sie überträgt. Prüfen Sie das in der Generalprobe mit Testkonten. Funktioniert es nicht, bitten Sie Ihre Kundinnen und Kunden in einer freundlichen E-Mail, ein neues Passwort zu vergeben.
Ist WooCommerce in Deutschland rechtssicher?
Nicht von Haus aus. WooCommerce stammt aus den USA und kennt deutsche Pflichtangaben wie Grundpreise, Lieferzeiten oder den Widerrufsbutton nicht vollständig. Plugins wie Germanized oder German Market ergänzen diese Funktionen. Die Rechtstexte selbst sollten von einem Anwalt oder einem spezialisierten Dienst kommen.
Verliere ich durch den Wechsel meine Google-Rankings?
Nicht zwangsläufig. WooCommerce bildet URLs nach eigenem Schema, deshalb ändern sich die meisten Adressen. Wer alle alten URLs erfasst und jede per 301-Weiterleitung auf die passende neue Seite lenkt, kommt in der Regel ohne nennenswerte Verluste durch.
Was kostet ein Umzug von Shopware 5 zu WooCommerce?
Das hängt vor allem von Theme, Plugins, Schnittstellen und der Menge neu aufzubauender Inhalte ab. Nach einer kostenlosen Bestandsaufnahme nenne ich Ihnen einen Festpreis, der unter üblichen Agenturpreisen liegt.
Ist WooCommerce im Betrieb günstiger als Shopware?
Die Software selbst ist kostenlos, viele Erweiterungen kosten jährliche Lizenzen. Dazu kommt die Pflege: WordPress, WooCommerce und jedes Plugin bekommen regelmäßig Updates, die vor dem Einspielen getestet werden sollten. Wartungsfrei ist ein WooCommerce-Shop also nicht.