Ratgeber · Sicherheit

Onlineshop gehackt: Was jetzt zu tun ist

Bei einem Shop geht es um mehr als die Website: um Zahlungen, Bestellungen und Kundendaten. Wer ruhig und in der richtigen Reihenfolge handelt, begrenzt den Schaden und erfüllt seine Pflichten. Für Shopware und WooCommerce.

Julian Bräucker Stand: ca. 11 Minuten Lesezeit
NotfallErste Schritte

Die ersten fünf Schritte

  1. 1Nichts löschen: erst eine Kopie von Dateien und Datenbank anlegen.
  2. 2Alle Zugänge sperren, auch API-Schlüssel der Zahlungsanbieter.
  3. 3Den Zahlungsanbieter informieren, wenn die Kasse betroffen sein könnte.
  4. 4Kasse prüfen, im Zweifel den Shop in den Wartungsmodus nehmen.
  5. 5Kundendaten betroffen? Meldung an die Aufsicht binnen 72 Stunden.

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01 · Die erste Stunde

Sichern, sperren, informieren

Bei einem Shop zählt jede Stunde, in der eine manipulierte Kasse weiterläuft. Trotzdem gilt wie bei jeder Website: erst sichern, dann aufräumen.

  1. 01

    Zustand sichern

    Eine Kopie aller Dateien und der Datenbank, so wie sie jetzt sind. Grundlage der Analyse und Ihr Nachweis gegenüber Behörde und Zahlungsanbieter.

  2. 02

    Zugänge sperren

    Admin-Passwörter, Hosting, Server und Datenbank, dazu die API-Schlüssel von Zahlungsanbietern, Warenwirtschaft und anderen Schnittstellen.

  3. 03

    Zahlungsanbieter informieren

    Wenn der Checkout betroffen sein könnte. Ihr Vertrag mit dem Anbieter kann eigene Meldepflichten enthalten.

  4. 04

    Die Kasse prüfen

    Laden Warenkorb- und Kassenseite fremde Skripte? Im Zweifel den Shop vorübergehend in den Wartungsmodus nehmen.

  5. 05

    Datenschutz klären

    Können Kundendaten betroffen sein, läuft die Frist von 72 Stunden für die Meldung an die Aufsicht.

02 · Anzeichen

Woran Sie es merken

Ein manipulierter Shop funktioniert oft weiter wie gewohnt. In einem von Sansec untersuchten Fall war der Skimmer nach vier Tagen noch aktiv, und selbst große Unternehmen entdecken Angreifer im Mittel erst nach 14 Tagen (Mandiant, M-Trends 2026).

Rückfragen der Bank

Mehrere Betrugsfälle, deren gemeinsamer Nenner Ihr Shop ist. Oft der erste Hinweis überhaupt.

Kartenmissbrauch bei Kunden

Kunden melden sich, kurz nachdem sie bei Ihnen bestellt haben.

Fremde Skripte in der Kasse

Die Kassenseite sendet Daten an eine Adresse, die weder zu Ihnen noch zu Ihren Anbietern gehört.

Geänderte Einstellungen

Neue Zahlarten, andere Empfängerkonten, veränderte Preise.

Neue Zugänge

Administratoren, Integrationen oder API-Schlüssel, die niemand angelegt hat.

Spam in großer Zahl

Plötzlich viele Kundenkonten oder Bestellungen, die nicht nach echten Kunden aussehen.

03 · Skimmer

Wie Kartendaten-Skimmer funktionieren

Ein Skimmer ist ein kleines, eingeschleustes Skript, das auf Warenkorb- oder Kassenseite mitliest, was Kunden eingeben, und es an einen fremden Server schickt. Manche blenden ein gefälschtes Zahlungsformular ein.

Eingeschleust werden sie häufig nicht als Datei, sondern über die Datenbank: in Theme-Einstellungen, Inhaltsblöcken oder Feldern für Tracking-Codes. Eine reine Dateiprüfung findet sie deshalb nicht immer.

Höheres Risiko

Kartendaten werden in Ihrem Shop eingegeben

Das Formular liegt auf Ihrer Kassenseite. Ein Skimmer liest jede Eingabe mit.

Geringeres Risiko

Zahlung beim Anbieter

Weiterleitung zu PayPal oder Klarna, oder Eingabefelder des Anbieters: Kartendaten landen nicht auf Ihrem Server. Ein gefälschtes Formular bleibt möglich, und Adressen und Bestelldaten liegen in jedem Fall im Shop.

04 · Shop-System

Was bei Shopware und bei WooCommerce zu prüfen ist

Shopware
  • Shopware und alle Erweiterungen auf aktuellem Stand?
  • Admin-Benutzer, Integrationen und ihre API-Zugänge
  • Installierte Apps und Plugins, auch unbekannte Ordner unter custom/plugins
  • Erlebniswelten und Theme-Einstellungen auf fremde Skripte
  • Einstellungen der Zahlarten

Shopware veröffentlicht Sicherheitshinweise und Patches, 2026 zum Beispiel für eine Lücke in der Store API, geschlossen in 6.7.13.1 und 6.6.10.23 (Sansec, 2026). Läuft der Shop noch auf Shopware 5, gibt es vom Hersteller seit Juli 2024 keine Sicherheitsupdates mehr; dann gehört der Umstieg auf Shopware 6 zur Lösung.

WooCommerce
  • Alles aus dem Ratgeber „WordPress gehackt“: Administratoren, Plugins, Theme, Optionen, Upload-Ordner
  • Zahlungs-Plugins: API-Schlüssel und Empfänger
  • Webhooks und angebundene Dienste
  • Vorlagen von Warenkorb und Kasse im Theme

Die Schritte für die WordPress-Seite stehen ausführlich im Ratgeber WordPress gehackt.

05 · Pflichten

Ihre Pflichten nach einem Shop-Hack

72 h

Meldung an die Aufsicht

Können Kundendaten betroffen sein, ist die Meldung binnen 72 Stunden nach Kenntnis praktisch immer nötig (Art. 33 DSGVO). Bei einem Shop ist ein Risiko für die Betroffenen selten unwahrscheinlich.

Kunden

Information der Betroffenen

Bei voraussichtlich hohem Risiko, etwa bei abgegriffenen Zahlungsdaten oder Passwörtern, ohne unangemessene Verzögerung (Art. 34 DSGVO), mit klaren Hinweisen, was Kunden tun sollten.

Schon veraltete Software zählt
65.500 €

Bußgeld der Datenschutzbehörde Niedersachsen 2020, weil ein Unternehmen eine Shop-Software betrieb, die seit Jahren keine Sicherheitsupdates mehr erhielt (LfD Niedersachsen, Tätigkeitsbericht 2020). Die DSGVO verlangt Sicherheit nach dem Stand der Technik (Art. 32), unabhängig von der Unternehmensgröße.

Das ist keine Rechtsberatung. Ziehen Sie Ihren Datenschutzbeauftragten hinzu, und dokumentieren Sie jeden Schritt.

06 · Wiedereröffnen

Wiederherstellen und wiedereröffnen

Ein Backup hilft nur, wenn es sicher vor dem Einbruch entstand, und es bringt die alte Lücke zurück. Dazu fehlen alle Bestellungen und Kundenkonten seit dem Backup. Meist ist Bereinigen der bessere Weg:

  1. 01

    Bereinigen

    Shop-Software und Erweiterungen frisch aus offiziellen Quellen, Datenbank auf fremde Skripte, Administratoren und Integrationen prüfen.

  2. 02

    Zugänge erneuern

    Alle Zugangsdaten und API-Schlüssel neu, auch die der Schnittstellen.

  3. 03

    Aktualisieren

    Shop-Software und alle Erweiterungen auf den aktuellen Stand bringen, die Lücke schließen.

  4. 04

    Kundenpasswörter

    Sind Passwort-Hashes betroffen, Kunden beim nächsten Login ein neues Passwort setzen lassen.

  5. 05

    Testbestellung

    Wiedereröffnen erst nach einer Testbestellung mit jeder Zahlart.

07 · Meine Lösung

Vorbeugen: So löse ich das mit dem Doppelgänger

Für Shopware-Shops gibt es den Doppelgänger für Shopware. Über die Datenbank eingeschleuste Skripte sind schwerer zu erkennen; umso wichtiger ist, dass Lücken schnell und geprüft geschlossen werden.

Anonymisierte Kopie

Eine exakte Kopie Ihres Shops auf einem eigenen Server in Deutschland. Kundendaten werden bei jeder Kopie anonymisiert.

Getestet bis zur Kasse

Updates von Shopware und Erweiterungen teste ich auf der Kopie mit kompletter Bestellung, bevor sie live gehen.

Prüfungen jede Nacht

Dateiabgleich, Plugin-Inventur und Sicherheitscheck prüfen den Live-Shop. Fremde Dateien und veraltete Erweiterungen fallen auf.

Tägliche Testbestellung

Jeden Morgen läuft eine Testbestellung. Eine Kasse, die nicht mehr funktioniert, fällt nicht erst Kunden auf.

Für WooCommerce gilt dasselbe mit dem Doppelgänger für WordPress, inklusive Test bis in den Checkout mit den Testmodi der Zahlungsanbieter. Weiterlesen: Shopware 6 Updates ohne Ausfall.

Expertenstimme
Für die Datenschutz-Grundverordnung ist eine ungepflegte Website kein Schönheitsfehler. Sie verlangt Sicherheit nach dem Stand der Technik, auch von kleinen Unternehmen.
Julian Bräucker
Julian BräuckerEntwickler und Betreiber des Doppelgängers, Düsseldorf
65.500 €
Bußgeld wegen veralteter Shop-Software
Häufige Fragen

Kurz beantwortet.

Muss ich einen Hack meines Onlineshops melden?

Wenn Kundendaten betroffen sein können, in aller Regel ja: an die zuständige Datenschutzaufsicht binnen 72 Stunden, nachdem Sie davon erfahren haben (Art. 33 DSGVO). Bei einem Shop mit Kundenkonten, Bestellungen und Zahlungen ist ein Risiko für die Betroffenen selten unwahrscheinlich. Das ist keine Rechtsberatung; ziehen Sie Ihren Datenschutzbeauftragten hinzu.

Woran erkenne ich einen Kreditkarten-Skimmer?

Oft gar nicht auf den ersten Blick, denn der Shop funktioniert normal. Hinweise sind Rückfragen von Bank oder Zahlungsanbieter wegen Betrugsfällen mit Ihrem Shop als gemeinsamem Nenner, Kunden, die von Kartenmissbrauch berichten, und fremde Skripte auf Warenkorb- und Kassenseite, die Daten an unbekannte Adressen senden.

Muss ich meine Kunden informieren?

Wenn der Vorfall voraussichtlich ein hohes Risiko für die Betroffenen bedeutet, etwa bei abgegriffenen Zahlungsdaten oder Passwörtern, ja, und zwar ohne unangemessene Verzögerung (Art. 34 DSGVO). Sagen Sie klar, was passiert ist und was Kunden tun sollten, zum Beispiel Karte sperren lassen oder das Passwort ändern.

Kann ich den Shop während der Bereinigung offen lassen?

Solange nicht sicher ist, dass die Kasse sauber ist, besser nicht. Ein Wartungsmodus kostet einige Bestellungen, ein weiter laufender Skimmer kostet Kundendaten und Vertrauen. Wiedereröffnen Sie nach der Bereinigung, neuen Zugangsdaten, aktualisierter Software und einer Testbestellung.

Sind Zahlungen über PayPal oder Klarna auch betroffen?

Werden Kunden zur Zahlung auf die Seite des Anbieters weitergeleitet oder geben ihre Daten in ein Eingabefeld des Anbieters ein, landen Kartendaten nicht auf Ihrem Server. Ganz entwarnen lässt sich trotzdem nicht: Ein Skimmer kann ein gefälschtes Zahlungsformular einblenden, und Adressen und Bestelldaten liegen im Shop.

Wie verhindere ich, dass es wieder passiert?

Shop-Software und Erweiterungen zeitnah und getestet aktualisieren, nicht benötigte Erweiterungen entfernen, Zugänge auf das Nötige beschränken und Veränderungen an Dateien und an der Kasse überwachen. Genau dafür gibt es den Doppelgänger: Updates auf einer Kopie mit anonymisierten Daten, nächtliche Prüfungen und bei Shopware eine tägliche Testbestellung.

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