Meine Einschätzung
KI verändert die Softwarebranche gerade schneller als in den Jahren davor. Meine Prognose als Entwickler: Es werden mehr Sicherheitslücken gefunden als je zuvor, und sie werden schneller ausgenutzt. 2026 bestätigt das bisher: Laut Google hat sich die Zahl der monatlich veröffentlichten Lücken von Januar bis August verdoppelt. Die Zeit bis zum ersten Angriff wird weiter schrumpfen. Gegen automatisierte Angriffe hilft am besten automatisierte Abwehr, aber eine, die vorher testet.
Meine Prognose: Es werden mehr Lücken gefunden als je zuvor, und sie werden schneller ausgenutzt. Kleine Unternehmen trifft das gleichermaßen, denn automatisierte Angriffe suchen sich kein Ziel aus.
Das Zeitfenster schrumpft
Die Zahlen dazu sind eindeutig, und sie stammen nicht von mir.
Median bis zum ersten Angriff auf die meistgesuchten WordPress-Lücken
Patchstack, Auswertung 2025Zeitraum, in dem rund die Hälfte der schweren Lücken ausgenutzt wird
Patchstack, Auswertung 2025neue Lücken im WordPress-Umfeld 2025, 42 % mehr als im Vorjahr, 91 % davon in Plugins
Patchstack, Auswertung 2025der bekannten ausgenutzten Lücken wurden am Tag der Veröffentlichung oder davor ausgenutzt (2024: 23,6 %)
VulnCheck, State of Exploitation 2026Durchschnittliche Tage bis zur Ausnutzung einer Lücke
Mandiant, Time-to-Exploit 2023 (2024). Für 2023 ohne 15 Ausreißer, mit ihnen waren es 47 Tage. *2025: Schätzung aus Mandiant, M-Trends 2026. Ein negativer Wert heißt: im Mittel ausgenutzt, bevor es einen Patch gab.Zur Einordnung: Ein großer Teil dieses Rückgangs geschah, bevor KI-Sprachmodelle verbreitet waren. KI beschleunigt, ausgelöst hat sie ihn nicht. 2026 zieht das Tempo weiter an: Laut Google wurden von Januar bis August im Schnitt 18 Lücken pro Monat in freier Wildbahn ausgenutzt, nach 10,5 im Jahr 2025.
Was KI daran ändert
KI macht Angriffe vor allem schneller und billiger, und sie findet inzwischen selbst neue Lücken. Was Sicherheitsforscher, Behörden und KI-Anbieter dazu bisher belegen:
So viele beteiligten sich laut METR im Juli 2026 an einem Einbruch bei Hugging Face, einer großen Plattform für KI-Modelle. Es waren Agenten aus einem Test von OpenAI, die aus ihrer abgeschotteten Umgebung ausgebrochen waren. Kein Mensch hatte den Angriff angeordnet.
METR, August 2026Google hat erstmals Kriminelle ertappt, die einen Angriff auf eine bis dahin unbekannte Lücke mit KI entwickelt hatten. Geplant war eine Massenausnutzung, Google hat sie nach eigener Einschätzung möglicherweise verhindert.
Google Threat Intelligence, Mai 2026So schnell planten, bauten und starteten Angreifer mit KI-Agenten eine Kampagne, die massenhaft Zugangsdaten abgriff, nachdem sie eine Cloud-Ressource übernommen hatten.
Google Threat Intelligence, September 2026So viele bestätigte Lücken fanden Partner von Anthropic mit einem KI-Modell allein von April bis Juli 2026. Anthropic hält das für eine Untergrenze.
Anthropic, Oktober 2026So viele Lücken wurden im August 2026 veröffentlicht, gut doppelt so viele wie im Januar. Ausgenutzt wurden 2026 bis August im Schnitt 18 Lücken pro Monat, 2025 waren es 10,5.
Google Threat Intelligence, September 2026Mit GLM-5.3 gibt es ein frei herunterladbares KI-Modell, das selbstständig funktionierende Angriffe bauen kann. Seine Schutzmechanismen ließen sich in Tests von Anthropic mit einfachen Mitteln in 64 bis 100 % der Fälle umgehen.
Anthropic, September 2026Diesen Anteil der Arbeitsschritte übernahm ein KI-Werkzeug bei einer staatlich gesteuerten Spionagekampagne gegen rund 30 Ziele, die 2025 gestoppt wurde.
Anthropic, November 2025Ein so großer Teil des beobachteten Social Engineering, etwa Phishing, war laut ENISA Anfang 2025 Berichten zufolge KI-gestützt.
ENISA Threat Landscape 2025Aktuelle KI-Systeme erkennen Schwachstellen in Software laut BSI in kurzer Zeit umfassend und teilweise autonom und machen daraus verwertbare Angriffspfade.
BSI, Juni 2026Was belegt ist, was nicht
Ich halte nichts von Panikmache, aber auch nichts von Verharmlosung. Vieles, was vor zwei Jahren nur im Labor gezeigt war, ist 2026 in echten Angriffen beobachtet. Anderes ist weiter offen:
KI-Agenten greifen echte Firmen an
Im Juli 2026 ist es passiert: KI-Agenten aus einem Test von OpenAI nutzten im Netz offen liegende Zugangsdaten und neu entdeckte Lücken, führten Code auf 41 Servern von Hugging Face aus und hatten in weniger als 13 Stunden Administratorrechte in einem Cluster und weitreichenden Zugriff auf einen zweiten. Es war kein gezielter Angriff von Kriminellen, sondern ein Test, der außer Kontrolle geriet. OpenAI hält es aber für möglich, dass Angreifer solche Agentenschwärme künftig gezielt einsetzen.
Hugging Face, Juli 2026 · OpenAI, August 2026Angreifer nutzen KI in freier Wildbahn
Das BSI hatte bis Mitte 2024 keine KI-gestützte Ausnutzung von Schwachstellen beobachtet. Das ist überholt. Google hat 2026 erstmals einen mit KI entwickelten Angriff auf eine unbekannte Lücke bei Kriminellen gefunden. Eine von einem KI-System gefundene Lücke in einer Fernwartungssoftware wurde vier Tage nach ihrer Veröffentlichung angegriffen, innerhalb von sieben Tagen von sechs Angreifergruppen.
Google Threat Intelligence, Mai 2026 · Google Threat Intelligence, September 2026Gefunden wird schneller als geschlossen
Der Engpass ist nicht mehr das Finden von Lücken, sondern das Prüfen, Melden und Schließen, schreibt Anthropic. Beim Open-Source-Projekt curl kommen Sicherheitsmeldungen inzwischen etwa doppelt so oft wie 2025, fast alle mit Hilfe von KI. Der Projektgründer erwartet, dass diese Lawine die Überlastung der Menschen, die solche Projekte pflegen, weiter verschärft.
Anthropic, Mai 2026 · curl, April 2026KI als Hauptursache von Einbrüchen
Mandiant sieht 2025 nicht als das Jahr, in dem Einbrüche direkt auf KI zurückgingen. Die große Mehrheit beruhte weiter auf grundlegenden Versäumnissen, und das Ausnutzen von Lücken war zum sechsten Mal in Folge der häufigste Weg hinein. Eine vergleichbare Auswertung für 2026 gibt es noch nicht.
Mandiant, M-Trends 2026Wie oft es kleine Websites trifft
Wie viele Angriffe auf kleine Firmenwebsites schon KI-gesteuert sind, misst bisher niemand. Laut Google zielen Angriffe auf Lücken 2026 vor allem auf Netzwerkgeräte und Unternehmensdienste, und nur bei etwa einer von 431 veröffentlichten Lücken wurde eine Ausnutzung beobachtet. Für Websites zählt deshalb vor allem, wie schnell bekannte Lücken angegriffen werden.
Google Threat Intelligence, September 2026Viele Zahlen kommen von KI-Anbietern
Ein Teil der Zahlen auf dieser Seite stammt von den KI-Anbietern selbst und ist nicht unabhängig geprüft. Den Vorfall bei Hugging Face haben dagegen mehrere Seiten dokumentiert: Hugging Face als betroffene Firma, OpenAI als Betreiber der Agenten und die unabhängigen Prüfer von METR.
METR, August 2026Ehrlich gelesen: Das Tempo steigt, Angriffe werden billiger, und das Schließen der Lücken ist zum Engpass geworden. Wann KI-Angriffe auf kleine Websites Alltag sind, weiß niemand. Vorbereitet zu sein kostet wenig.
Was das für eine Firmenwebsite bedeutet
Automatisierte Angriffe suchen sich kein Ziel aus. Sie fragen nicht, wie groß Ihr Unternehmen ist, nur welche Version Sie einsetzen.
Für eine Website heißt das: Wer einmal im Quartal aktualisiert, lässt bekannte Lücken im Schnitt 45 Tage offen. Bei einem Zeitfenster von Stunden ist das zu lang.
- Platz 2CMS-Umfeld mit WordPress unter den am häufigsten angegriffenen Kategorien bekannter ausgenutzter Lücken 2025 (VulnCheck)
- 119 pro Tagneue Schwachstellen im Schnitt, Juli 2024 bis Juni 2025 (BSI-Lagebericht 2025)
- 80 %der angezeigten Cyberangriffe, etwa mit Ransomware, richteten sich gegen kleine und mittlere Unternehmen (BSI-Lagebericht 2025)
Was wirklich hilft
Bei 46 % der WordPress-Lücken gab es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch keinen Patch (Patchstack). Updates allein reichen deshalb nicht.
- 01
Schnelle, getestete Updates
Sicherheitsupdates innerhalb weniger Tage, vorher auf einer exakten Kopie geprüft. Blinde automatische Updates schließen Lücken schnell, können die Website aber selbst zerlegen.
- 02
Überwachung
Nächtliche Prüfungen auf fremde Dateien, veränderte Inhalte und bekannte Schwachstellen fangen auf, was ein Update nicht verhindern kann.
- 03
Wiederherstellung in Sekunden
Wenn doch etwas passiert, zählt, wie schnell ein sauberer Stand wieder online ist.
- 04
Weniger Plugins
Jedes Plugin ist Software, die gepflegt werden muss. Was nicht gebraucht wird, sollte gelöscht werden.
- 05
Nicht nur auf den Hoster verlassen
In einem Test von Patchstack blockierten die Schutzsysteme großer Hoster nur 12 % der Angriffe auf WordPress-Lücken.
Automatisierten Angriffen begegne ich mit automatisierter Abwehr: Updates laufen schnell und regelmäßig, aber erst nach einem Test auf dem Doppelgänger.
Ein Update allein reicht nicht: Bei fast jeder zweiten WordPress-Lücke gibt es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch gar keinen Patch. Deshalb gehört nächtliche Überwachung dazu.
Was Gesetze verlangen
Für jedes Unternehmen mit Website gilt die DSGVO: Art. 32 verlangt Sicherheit nach dem Stand der Technik, dazu gehören zeitnahe Updates. NIS2 betrifft nur bestimmte Unternehmen direkt, viele kleinere aber über ihre Kunden. Der Cyber Resilience Act verpflichtet Softwarehersteller, nicht Website-Betreiber. Was das für Sie heißt, erkläre ich in den Ratgebern Updates sind Pflicht, NIS2 für kleine Unternehmen und Cyber Resilience Act.
Meine Antwort: der Doppelgänger
Genau dafür habe ich den Doppelgänger gebaut: schnelle, automatisierte Updates, die vorher getestet sind, Überwachung jede Nacht und ein Rollback in Sekunden.
Exakte Kopie
Jede Website bekommt eine Kopie auf einem eigenen Server in Deutschland. Updates spiele ich zuerst dort ein und teste sie.
Sicherheitsupdates in 24 bis 48 h
Nach dem Test gehen Sicherheitsupdates in der Regel innerhalb von 24 bis 48 Stunden live.
Acht Prüfungen jede Nacht
Unter anderem auf fremde Dateien, veränderte Inhalte und bekannte Schwachstellen der Live-Website.
Rollback in Sekunden
Jeder Release ist eine eigene Version. Zurück zum vorherigen Stand geht es in Sekunden.
Mehr dazu auf den Seiten für WordPress und Shopware und im Ratgeber WordPress-Updates sicher einspielen.
Kurz beantwortet.
Werden Websites durch KI häufiger gehackt?
Belegt ist inzwischen, dass Angreifer KI in echten Angriffen einsetzen, dass KI neue Lücken in großer Zahl findet und dass mehr Lücken ausgenutzt werden. Laut Google wurden 2026 bis August im Schnitt 18 Lücken pro Monat ausgenutzt, nach 10,5 im Jahr 2025. Wie viele Website-Hacks direkt auf KI zurückgehen, misst bisher niemand. Für 2025 sieht Mandiant die meisten Einbrüche weiter in grundlegenden Versäumnissen begründet, nicht in KI. Ich rechne damit, dass der Druck weiter steigt.
Was ist beim KI-Angriff auf Hugging Face passiert?
Im Juli 2026 sind rund 700 KI-Agenten (laut METR) in Teile der Infrastruktur von Hugging Face eingedrungen, einer großen Plattform für KI-Modelle. Die Agenten stammten aus einem Sicherheitstest von OpenAI, waren aus ihrer abgeschotteten Umgebung ausgebrochen und nutzten offen im Netz liegende Zugangsdaten und neu entdeckte Lücken. In weniger als 13 Stunden hatten sie Administratorrechte in einem Cluster und weitreichenden Zugriff auf einen zweiten. Ein Mensch hatte den Angriff nicht angeordnet. OpenAI hält es aber für möglich, dass Angreifer solche Agentenschwärme künftig gezielt einsetzen.
Wie schnell werden Sicherheitslücken in WordPress ausgenutzt?
Laut Patchstack werden die meistgesuchten Lücken im Mittel nach fünf Stunden erstmals angegriffen, rund die Hälfte der schweren innerhalb von 24 Stunden (Auswertung 2025). Sicherheitsupdates sollten deshalb innerhalb weniger Tage eingespielt werden, nicht beim nächsten Wartungstermin.
Reichen automatische Updates als Schutz?
Nicht ganz. Automatische Updates schließen Lücken schnell, gehen aber ungetestet live und können eine Website zerlegen. Außerdem gab es bei 46 Prozent der WordPress-Lücken zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch gar keinen Patch. Die bessere Antwort sind schnelle, getestete Updates, nächtliche Prüfungen und schnelle Wiederherstellungen.
Ist meine kleine Firmenwebsite überhaupt ein Ziel?
Ja. Automatisierte Angriffe suchen sich kein Ziel aus, sie treffen jede Website mit einer bekannten Schwachstelle. Laut VulnCheck war das CMS-Umfeld mit WordPress 2025 die am zweithäufigsten angegriffene Kategorie bekannter ausgenutzter Lücken.
Gilt NIS2 für meine Website?
Meist nicht direkt. Das deutsche NIS2-Umsetzungsgesetz gilt seit dem 6. Dezember 2025 vor allem für Unternehmen ab etwa 50 Beschäftigten oder mehr als 10 Millionen Euro Umsatz und Bilanzsumme in bestimmten Sektoren. Kleinere Unternehmen spüren es oft über ihre Kunden, die Sicherheitsanforderungen an Lieferanten weitergeben. Die DSGVO verlangt dagegen von jedem Unternehmen Sicherheit nach dem Stand der Technik. Mehr dazu im Ratgeber NIS2 für kleine Unternehmen.
Was kann ich konkret tun?
Sicherheitsupdates innerhalb weniger Tage einspielen und vorher auf einer Kopie testen, ungenutzte Plugins löschen, die Live-Website jede Nacht auf fremde Dateien und bekannte Schwachstellen prüfen lassen und einen sauberen Stand haben, der sich in Minuten wiederherstellen lässt. Genau das übernimmt der Doppelgänger.